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„Wer wie was, wieso weshalb warum…“ oder von Kinderfragen und Religion
von Joachim Kleer

Tja wie ist das mit der Religion in den Kindertagesstätten. Die Katholische Kirche ist größter Träger im Bereich und die Frage nach dem katholischen Profil ist eine, die zunehmend häufiger gestellt wird. Man fragt da, was unterscheidet katholische Einrichtungen von anderen? Wo zeigt sich der christliche Glaube in der Kita konkret?
Und wie hängen Glauben und Leben zusammen?

Die erste Antwort darauf lautet oft, dass man das Christliche oder Katholische im Umgang mit den Kindern und auch mit den Eltern erkennen kann. Dem stimme ich zu! Ich glaube auch, dass sich der Glaube im Alltag bewährt und der liebevolle Umgang untereinander ein Indikator für solchen Glauben ist. Gleichzeitig genügt es auf Dauer nicht den eigenen Glauben als Erzieherin mit sich selbst auszumachen und nach außen hin ein guter Mensch zu sein. Etwas Anderes braucht es auch noch. Es braucht Räume und Gelegenheit, wo es möglich ist über den eigenen Glauben ins Gespräch zu kommen und ihn zu erforschen; Räume und Gelegenheiten zum Fragen sowohl im Team der Erzieherinnen, mit den Eltern und natürlich für die Kinder.

Die Schwierigkeiten, die wir als Erwachsene dabei haben auf die Fragen von Kindern zu antworten, sind oft unsere eigenen Schwierigkeiten. Wir wissen das ja selber nicht so genau wie das ist mit dem Himmel, Gott oder den Wundern in der Bibel ist. Und so sind es unsere eigenen Fragen nach dem „woher“ und „wohin“ des Lebens, die uns da gestellt werden. Das wird dann zum Problem, wenn wir glauben eine Antwort geben zu müssen oder meinen dies oder jenes könne man Kindern nicht zumuten. Das wird dann zu einer großen Chance für alle die Kinder haben oder sie betreuen, wenn dadurch die Fragen, die im eigenen Herzen schlummern geweckt werden. „Wer, wie, was, wieso, weshalb warum, wer nicht fragt bleibt dumm“ singen die Kinder in der Sesamstrasse auch noch nach über dreißig Jahren und zweitausend Folgen; die Fragen scheinen also nicht auszugehen.

„Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen, “ schreibt Albert Einstein. Und für die Religion und die eigene religiöse Entwicklung gilt das alle mal. Da ist es wichtig sich die „richtigen“ Fragen zu stellen, zu Fragen was im eigenen Leben wirklich wichtig ist, was wirklich trägt und was nicht. Religiös zu sein setzt voraus neugierig zu sein, staunen zu können. (Das bewahrt auch davor „fertig“ zu werden oder auszusehen!). Kinder sind gute Lehrmeister darin, die Dinge immer wieder neu zu sehen. Und in dieser Beziehung können wir ohne Bedenken Jesu Vorschlag befolgen „zu werden wie die Kinder.“

In Jesu Reden ist das zentrale Motiv die Aufforderung umzukehren. „Kehrt um und glaubt an die frohe Botschaft“ sagt er immer wieder. Das bedeutet eben sich in Frage stellen zu lassen, zu schauen, ob ich auf dem richtigen Weg bin und gegebenenfalls den Mut zu haben die Richtung zu ändern. Und das ist keine einmalige Sache, sondern eher eine Lebenseinstellung. Esbjörn Svenson, Jazzpianisten aus Schweden, (der ansonsten mit seinem Trio wunderschöne Musik macht) meint dazu „Früher suchte ich Antworten… Heute weiß ich, dass es darum geht, möglichst entspannt im Zustand des Fragens verharren zu können."

„Hilf mir zu wachsen“ ist das Motto das sich der Kindergarten St. Johann zum 100 jährigen Jubiläum gewählt hat. Mir gefällt dieses Motto gut und ich finde das Stichwort „Wachsen“ passt auch gut zur Einrichtung und den Erzieherinnen, denen die Weiterentwicklung ihrer Arbeit und professionelle Innovationen sehr am Herzen liegen.

Also Herzlichen Glückwunsch zum Hundertsten Geburtstag und weiterhin gesundes Wachstum!

Joachim Kleer
Pastoralreferent

 

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